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Interview zur Sammlung Klaus J. Jacobs

Das Auktionshaus Lempertz bat zum Gespräch. Hintergrund war: Die Versteigerung der Sammlung Jacobs Kaffeemuseum. Im entsprechenden Ausstellungskatalog wurde das Interview jetzt veröffentlicht.

Katalog mit aufgeschlagener Seite
Ausstellungskatalog

Was ist ein Master-Coffeologe?

Die internationale Coffeeologen-Ausbildung beinhaltet alles, was mit der modernen Kaffeeindustrie zu tun hat. Von der Bohne (Botanik, Anbau, Anbaugebiete, Aufbereitung, Handel, Lagerung, Röstung, Zubereitung, Verkostung, Brühmethoden, Kaffeebarmarkt), über die Praxis (Arbeiten mit verschiedenen Kaffeemühlen und -maschinen, Zubereitung diverser Getränke, Latte Art, Cupping und Kaffeeverkosten) bis hin zu modernen Aspekten des heutigen Kaffeeumfeldes (Rezepte, Coffee & Spirits, Kaffee als Bargetränk, Molekulare Coffee-Drinks). Über weitere Fortbildungen – bei mir war es unter anderem eine Röstausbildung – wird man dann zur Masterprüfung zugelassen.

Braucht man ähnlich wie ein Önologe ein hohes Differenzierungsvermögen in der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung?

Ja, es ist grundsätzlich sinnvoll für die Arbeit mit Kaffee, die Sensorik zu schulen. Es ist unser wichtigstes Werkzeug bei der Bewertung von Rohkaffee, gerösteten Kaffee, dem Röstrezept oder der Zubereitung. Kaffee ist ein komplexes Getränk, darum müssen wir unserem Messinstrument, der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung, vertrauen können.

Welcher Teil der Kulturgeschichte des Kaffees fasziniert Sie am meisten?

Das Spannendste für mich ist die Zeit des 17./18. Jahrhunderts. Hier emanzipiert sich das Bürgertum von Adel und Klerus, es erscheinen erste Zeitungen und das Kaffeehaus ist der Multiplikator für diese und allgemein für die Ideen der Aufklärung. Das ist die Geburtsstunde einer bürgerlich-liberalen Öffentlichkeit. Im britischen oder französischen Kaffeehaus wird die höfische Öffentlichkeit durch eine frei räsonierende abgelöst. In der permanenten Diskussion sollte nunmehr allein die Autorität des Arguments zählen. Das finden wir in “Strukturwandel der Öffentlichkeit” bei Habermas sehr gut beschrieben. Interessant ist das vor allem, weil wir im digitalen Zeitalter vor der Frage stehen, ob und wie wir dieses Erbe retten wollen.

Könnten Sie heute einen Geschmack aus dem 17. oder 18. Jh. rekonstruieren?

Das ist schwer. Beim Kaffee haben wir so viele Einflussfaktoren: Kaffeeart, Varietät/Unterart, Bodenbeschaffenheit, Region, Anbauland, klimatische Bedingungen, Qualität der Ernte, Transportbedingungen, Röstverfahren, Zubereitungsverfahren, Qualität des Mahlwerks, des Wassers u.v.m. Da das nicht alles im Detail dokumentiert ist, können wir heute schwerlich den Geschmack des 17. Jh. rekonstruieren.

Wie könnte man sich denn auf die Suche nach dem „früheren“ Geschmack machen?

Was ich empfehlen kann, ist z.B. die Teilnahme an einer äthiopischen Kaffeezeremonie. In Äthiopien finden wir den biologischen Ursprung der Arabica-Pflanze und die Geburtsstätte der Kaffee-Zubereitung. Das Rösten über Feuer, das Mörsern der gerösteten Bohnen, die Zubereitung in der Jebena – einer Kaffeekanne aus Ton – das ergibt wohl den ursprünglichsten Kaffeegeschmack. Außerdem ist die Zeremonie ein soziales Ereignis und ein Zeichen von Gastfreundschaft. Das hat sich in allen späteren Kaffeekulturen bis heute fortgesetzt.

Tonkrug im Vordergrund, Kaffeetassen im Hintergrund
Jebena: Kaffeezeremonie im äthiopischen Restaurant Bonn – Roha

Auch der in einem arabischen Restaurant zubereitete Mokka ist ein sehr ursprüngliches Getränk. Von der UNESCO ist die Zubereitungsart und die türkische Kaffeekultur zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben worden.

Wie erklären Sie sich die ungebrochene Anziehungskraft von Kaffee auf alle Altersgruppen und welcher Trend ist Ihr Favorit?

Es ist wohl immer das Zusammenspiel von Kaffee als Genussmittel und der sozialen, kommunikativen Komponente. Bei aller Maschinen-Aufrüstung im Haushalt: Man trifft sich gerne auf einen Kaffee außerhalb. Das war im 18. Jahrhundert nicht anders als heute. Mein favorisierter Trend ist die Rückbesinnung auf das Handwerk: Wir finden mehr und mehr lokale, handwerkliche Röstereien und specialty coffeeshops, die sehr hochwertigen Kaffee einkaufen und zubereiten. Ich mag die Vielfalt, die hier entsteht.

Welches Objekt aus der Sammlung Jacobs ist für Sie am spannendsten und warum?

George Grosz, Ober zwei kleine Pils. Das frühe Werk seiner Kaffeehausszenen wurde ja erst spät wiederentdeckt. Hier haben wir alles andere als eine vornehme Kaffeehausszene. Das dralle Leben, der Alkohol, die erotisch aufgeladene Atmosphäre – all das wirkt wenig museal und gehört eben mit zur Kulturgeschichte des Genussmittels Kaffee. Auch das Karikaturenhafte und das Aufgreifen von sozialen Gegensätzen, das beim späteren Grosz eine wichtige Rolle spielt, finden wir bereits deutlich angelegt.

Was ist die verrückteste Kaffee-Kreation, die Sie je geschmeckt haben?

Ich bin da eher puristisch und möchte möglichst die Herkunft des Kaffee, die regionale und sensorische Besonderheit rausschmecken. Insofern war es die Filterzubereitung eines äthiopischen Nekisse N2. Die unglaubliche Balance von Süße und Säure, die fruchtigen Aromen und das cremige Mundgefühl des Kaffees haben mich sehr beeindruckt.

Was ist das optimale Frühstück für einen Coffeologen?

Frisch gemahlener Kaffee aus der regionalen Rösterei in der Lieblingszubereitungsart gebrüht, dabei mit 6g auf 100ml Wasser dosiert. Mit entsprechendem Mahlgrad. Als Beilage eine gute Zeitung oder ein gutes Gespräch – das ist schon optimal. Oder wie Johnny Cash das Paradies beschreibt: “This morning, with her, having coffee.”

 

Die Vorbesichtigung zur Ausstellung beginnt am 10.11. im Auktionshaus Lempertz. Die Versteigerung findet am 16.11. statt.

Bonner Brew Battle #2

Wir laden Coffeenerds und Coffeelover ein zum zweiten Bonner Brew Battle! Das gnadenlose Battle und ein feines Get-together wird verknüpft mit einem wichtigen Thema.

17.00 Uhr – … and coffee for all
17.30 Uhr – Vorrunde: Brühen des eigenen Lieblingskaffees mit Hario V60, Bewertung durch eine gnadenlos subjektive Jury.
18.30 Uhr – Endrunde (Qualifizierte der Vorrunde): Brühen eines unbekannten Kaffees mit V60, Bewertung der Kaffees und Kühren des Siegers durch eine subjektive aber unbestechliche Jury.
19.00 Uhr – Preisverleihung (Ehre, Ruhm & Kaffeepäckchen aus lokalen Röstereien) und Get-together.

5,- Teilnahmegebühr und eine Spendenbox für Zuschauer. Alle Einnahmen gehen zu 100% (die Unkosten werden nicht abgezogen, sondern von uns übernommen) an die UNO-Nothilfe (Mittelmeer-Flüchtlingshilfe). Das ist ein weiterer Beitrag zum Thema Röster & Baristi gegen Rassismus https://www.facebook.com/groups/RoesterundBaristigegenRassismus/

Anmeldung Teilnehmer: per mail an info (at) bonner-kaffeeschule.de
Anmeldung Zuschauer: per Klick auf „Teilnehmen“ bei Facebook

… this is how we brew it!

SCA – Specialty Coffee Association

Seit dem 01. Januar 2017 ist aus der 1982 gegründeten Specialty Coffee Association of America (SCAA) und der 1998 gegründeten Speciality Coffee Association of Europe (SCAE) offiziell eine Organisation geworden:

The Specialty Coffee Association (SCA) is a membership-based association built on foundations of openness, inclusivity, and the power of shared knowledge. From coffee farmers to baristas and roasters, our membership spans the globe, encompassing every element of the coffee value chain. SCA acts as a unifying force within the specialty coffee industry and works to make coffee better by raising standards worldwide through a collaborative and progressive approach. Dedicated to building an industry that is fair, sustainable, and nurturing for all, SCA draws on years of insights and inspiration from the specialty coffee community.

 

Die Website und das Logo sind bereits angepasst. Alle Auswirkungen auf Ausbildungssystem und Coffee Diploma, alle organisatorischen Folgen, werden in den nächsten Monaten kommuniziert.

„If your business is coffee, then this is the place for you. Explore, collaborate, progress and inspire as we build a sustainable future for coffee, today.“

Neue Location

Ab Mai 2017 gibt es alle Workshops und Schulungen in besserer Ausstattung. Als Vorlage dient ein Paper der Specialty Coffee Association (SCA) für Prämium Trainingscenter. So gibt es etwa einen eigenen Theorieraum, mehr Maschinen etc. und für den Coach endlich eine Gastrospülmaschine 😉

Die Adresse:
Bonner Kaffeeschule
Klara-M.-Faßbinder-Straße 6
53121 Bonn

Mahlen & Brühen – Filterkaffee strikes back

… heißt ein neues Format 2017.

Nachdem die SCAE-Brewing-Kurse in diesem Jahr gut angenommen wurden, gibt es einen Workshop für Einsteiger, der weniger intensiv ist, aber einen schönen Einstieg ins Thema „Mahlen & Brühen“ liefern soll:

Hier zeigen wir, dass gute Kaffeezubereitung nicht teuer sein muss! Filterkaffee bietet die Möglichkeit mit einfachem Equipment einen guten Kaffee zu brühen: Eine Mühle, ein Wasserkocher und eine Waage reichen schon aus, um zuhause (sehr oldschool oder eben sehr hip) zu brühen! Worauf dabei zu achten ist, untersuchen wir gemeinsam im Workshop. Nach einem kleinen Theorieteil und den wichtigsten Brewing-Grundlagen, geht es in die Praxis. Sie erhalten die Möglichkeit mit verschiedenen Brühmethoden (V60, Kalita Wave, French Press, Chemex o.ä.) und Hilfsmitteln ihre Fähigkeiten zu vertiefen. Gleichzeitig werden wir unterschiedliche Kaffees testen, um schon die Sensorik ein wenig mitzuschulen.

Termine:
17.3.2017 – Mahlen & Brühen – Filterkaffee strikes back
21.4.2016 – Mahlen & Brühen – Filterkaffee strikes back

Alle weiteren Termine werden wie immer im Terminkalender zu finden sein.

SCAE Sensorik-Kurse

Slurp, Spit, Slurp, Celebrate. Eigentlich wäre das ein feiner Titel für unser neues Workshopformat. Aber es ist nicht wirklich selbsterklärend. Also nennen wir das Ganze: SCAE-Sensorik.

Wir erweitern ab sofort unsere Ausbildungsmodule der Speciality Coffee Association of Europe (SCAE) um das Thema Kaffeesensorik: Tasten, riechen und schmecken. Eigentlich das Hauptwerkzeug für alle, die in der Kaffeewelt unterwegs sind. Jeweils zwei Termine der Zertifizierungskurse Foundation und Intermediate sind für diese Jahr geplant. Schmeckt und tastet euch vorbei:

http://www.bonner-kaffeeschule.de/die-kurse/scae-sensorik/

 

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Neu im Kursprogramm: SCAE-Brewing

Ab April bieten wir das Modul Brewing aus dem Coffee Diploma System der SCAE in der Bonner Kaffeeschule an. Damit decken wir neben den Barista skills den kompletten Bereich der Zubereitung des europaweiten Ausbildungssystems der Speciality Coffee Association of Europe ab. Inhaltlich geht es um eine Vielzahl von verschiedenen Brühmöglichkeiten, Extraktionstehorie und Brühparaxis:

  • Auswirkungen von Brühmethoden und Filtermedien,
  • Einfluß von Mühlenqualität, Mahlgrad und unterschiedlicher Partikelgrößen (samt ihrer Analyse) im Mahlgut
  • Wasser-Temperatur und Wasserqualitäten
  • Auswirkungen verschiedener Röststufen uvm.

Alle Mehr Infos unter: Filterkaffee strikes back – SCAE-Brewing

Im Sommer folgt das Modul SCAE Sensory.

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Preiserhöhung: SCAE-Zertifizierung

Am ersten April erhöht die SCAE ihre Preise für die Zertifizierungen rund um das Coffee Diploma. Die neuen Preise betragen 60,- netto für Introduction und Foundation-Kurse, 180,- für Intermediate-Kurse und 270,- für Professional-Kurse. Alle Tarife sind Netto-Preise, es muss also noch deutsche Umsatzsteuer (+ 19%) berechnet werden. Günstiger ist es für SCAE-Mitglieder: Beim Level Intermediate spart man als Mitglied 80,-, beim Professional 90,- € Prüfungsgebühr. Die reinen Workshopgebühren dagegen werden von uns beibehalten.

scae_preise2016

Bis zum 1.4. gelten natürlich noch die alten Tarife der Prüfungsgebühren!