Corona-Virus-Pandemie & Schulungsbetrieb

Liebe Kaffeefreunde,

der Betrieb der Bonner Kaffeeschule ist eingestellt. Nach Erlass des Landes NRW vom 17.3. für alle Anbieter von Freizeitaktivitäten und außerschulischen Bildungseinrichtungen und dem Ansammlungsverbot der Bundesregierung vom 22.3. sind Workshops bis Anfang April abgesagt. Auch alle Außer-Haus-Coaching- und Beratungstermine bis Mitte April sind gecancelt. (Update 30.3.2020: Die Kontaktsperre der Bundesregierung gilt aktuell bis zum 20.4.2020)

Die erste Frage aus Kundensicht: Was passiert jetzt mit meiner Buchung?

Im Laufe der Woche werden alle Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer der Veranstaltungen bis Ostern per Mail informiert. Grundsätzlich gelten die AGB der Bonner Kaffeeschule. Es gibt also einen Anspruch, an einem späteren Termin teilzunehmen, wenn nicht selbst die Teilnahme abgesagt wurde.

So viel zu den Gewissheiten. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann und welche Workshops mit Sicherheit stattfinden, kann im Moment nicht gesagt werden. Ab hier beginnt eben die Kaffeesatzleserei, an der ich mich nicht beteilige. Die Corona-Pandemie ist nicht in wenigen Wochen vorbei. Das hat Quarks mal wieder gut verständlich erklärt: www.quarks.de

Die Perspektive der Kaffeeschule als Veranstaltungsdienstleister

Was ein kleiner Veranstalter wie die Bonner Kaffeeschule jetzt machen kann, ist, eigene Szenarien aufsetzen. Seit der KW 10 gibt es keine Neubuchungen mehr, geplante Coaching-Termine vor Ort wurden abgesagt. Es fehlen Einnahmen. Laufende Fix-Kosten (Mieten, Nebenkosten, Versicherungen, Abschreibungen) werden im Moment von Rücklagen und vorausbezahlten Workshops getragen. Flexible Kosten sind runtergefahren. Das Ganze geht 4 Wochen gut. In 4-8 Wochen wird’s dünn. Alles ab Mai wird existenzbedrohend.

Um bis Ende des Jahres aus allen laufenden Verträgen (und Kosten) herauszukommen, müsste im Juni das Handtuch geschmissen werden. Dann sammeln sich bis Ende des Jahres 50.000,- € Kosten an. Die eigenen Lebenshaltungskosten nicht berechnet. Worst Case. So und schlimmer geht es vielen kleinen Unternehmen und Soloselbständigen. Die Kosten für die Wirtschaft „werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest heute. Je nach Szenario werde die Wirtschaft 2020 bestenfalls um nur 7,2 Prozent schrumpfen; möglicherweise aber auch um 20,6 Prozent einbrechen. Veranstalter und Soloselbständige bekommen hier die volle Breitseite ab.

Das Ganze steckt dann auch den unternehmerischen Handlungsrahmen ab. Die Kaffeeschule, genauso die Rösterei, als (noch nicht gewinnbringendes) Nebenprojekt sind grundsolide finanziert. Dahinter steht die Idee von unabhängigen Coachings. Kundenorientiert, auf hohem fachlichen Niveau. Lösungsvorschläge orientiert an den Bedürfnissen der Kunden, nicht am billigen Abverkauf. Keine versteckten Empfehlungen mit Provisionen von Maschinenherstellern oder Röstereien. Keine heimliche Akquise für Franchiseanbieter mit entsprechenden Prämien. All das konnte ich in den letzten 7/8 Jahren immer wieder abwehren. Das soll auch so bleiben, denn die Bonner Kaffeeschule ist: fuckin’ independent. Ebenso die Rösterei. Hier ist die Idee: Transparenz von der Pflanze und Farm bis zur Tasse, specialty coffee, also mehr als 80 Verkostungspunkte und ein Preis, von dem Kaffeebauern auch leben können. Transparent, nachhaltig und fair.

 

Die zinsfreien Kredite der Bundesregierung sind für viele Unternehmen eine hilfreiche Unterstützung, um die kommende wirtschaftliche Krise zu überstehen. Allerdings verlagert es bei vielen das Problem nur zeitlich. Für mich und meine Idee von unabhängigem Unternehmen, führt das zu einer finanziellen Abhängigkeit, die die Grundidee ad absurdum führt. 70/80 Wochenstunden für eine eigene Idee zu investieren ist ok, aber für eine Bank? Ohne klare Perspektive, wann und wie es weitergeht? No way!

Das Positive: Zunächst mal haben eine Menge Leute gerade eine kleine oder große Portion Kaffee bestellt. Als Support. Manche sogar, weil er lecker sein soll 😉 Zwei Teilnehmer/Teilnehmerinnen haben auf einen Gutschein für den ausfallenden Kurs verzichtet. Als Support. Drei haben den Kurswert in eine Kaffeebestellung umgewandelt. Karin, vom Foodieblog Bonn geht essen, der gerade selbst alle Aufträge weggebrochen sind, sagte heute im Gespräch: Die Guten überleben. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht. Das hilft immer. (Danke euch allen!) Und: Die Bundesregierung will in dieser Woche Soforthilfen für kleine Selbständige aufsetzen. Wurde bisher von uns Soloselbständigen jedes Krankheitsrisiko, der Verdienstausfall oder das Risiko der Altersarmut selbst getragen, ist die Situation von ca. 2,3 Millionen Menschen zum ersten Mal breit auf der politischen Agenda. Drum bleib ich hoffnungsvoll, dass es hier auch nach der Krise weitergeht. Wer 18 Monate mit den Behörden gerungen hat, um die notwendigen Genehmigungen für eine Rösterei zu bekommen, gibt das eigene Baby nicht so schnell her.

Wie kannst du unterstützen:

  • Wenn du einen Freizeitkurs gebucht hast und es dir erlauben kannst, verzichte bitte auf einen Gutscheinanspruch der Kursgebühren.
  • Wenn das nicht geht: Wandel den Betrag bitte in eine Kaffeebestellung um. (Eine Gutscheinflut nach Wiedereröffnung führt zu Liquiditätsmangel, weil der Platz nicht verkauft werden kann)
  • Buche einen Kurs, sobald sich die Lage beruhigt hat.

Alle gebuchten SCA-Kurse werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Auch, wenn mich das in Zukunft Umsatz kostet. Ihr bekommt eure Leistung!

Noch ein kleiner Appell zum Schluß:
Unterstützt die kleinen Unternehmen. Kauft Brot in der Bäckerei, Wein beim Winzer, nicht beim Discounter, Fleisch beim Metzger, Bier in der lokalen Brauerei, Kaffee in der Rösterei. Kauft Kaffee bei Röstereien, die ihre Kaffeeproduzenten vernünftig bezahlen. (Hier graut mir gerade vor den Auswirkungen der Corona-Krise in den Ursprungsländern…) Streamt keine Musik, kauft Sie direkt bei den Bands. Verzichtet auf die Erstattung der Konzerttickets. Schließt ein Abo für eine vernünftige Zeitung ab, nehmt die BILD, nur, wenn das Klopapier ausverkauft ist. Bucht einen Restauranttisch für Juni oder Juli. Bestellt beim Buchladen des Vertrauens, nicht bei Amazon. Verschickt Pakete mit Unternehmen, die ihre Leute anständig bezahlen. Schreibt eine positive Facebook- oder Google-Bewertungen über den einen oder anderen Laden. Bei allem Kontrollverlust im Großen, mit ein, zwei kleinen Dingen kann jede/r von uns etwas für diejenigen tun, die mit Herzblut ihr Business betreiben. Es sind nur Vorschläge. Nehmt euch einfach ein, zwei Sachen vor, die ihr leicht umsetzen könnt. Seid jetzt der- oder diejenige, die ihr später in der Krise gewesen sein wollt.

Bleibt gesund, besonnen und kauft nicht so viel Toilettenpapier
Mark

Ein paar Links zur Situation in NRW und zur Situation von Veranstaltern und Soloselbständigen:

Erlass NRW: www.mags.nrw/pdf

Situation für Selbständige:

sz.de/1.4853039

www.zeit.de/coronavirus-arbeit-selbststaendigkeit-existenzbedrohung-bundesregierung-hilfe/

zeit.de/arbeit/2020-03/corona-krise-pandemie-deutschland-existenzen-wirtschaft-leserstimmen

zeit.de/kultur/2020-03/kulturbetrieb-coronavirus-schliessungen-grossveransaltungen

zeit.de/wirtschaft/2020-03/corona-covid-19-deutschland-wirtschaft-konjunktur-prognose-5vor8

www.zeit.de/hamburg/2020-03/lars-meier-gute-leude-fabrik-festival-kunstszene-freiberufler-coronavirus-krise-hilfe

Sammlung von Verfügungen, Erlassen und Verordnungen des Bundes und der Länder zur Corona-Krise

lexcorona.de

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